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Kematen im Angesicht der Martinswand

Quelle: "Burgen Schlösser Ruinen in Nord- und Osttirol"
von Beatrix & Egon Pinzer, Edition Löwenzahn


Obwohl nicht auf Kemater Gemeindegebiet sondern zu Zirl gehörend, ist die Martinswand mit Grotte, Martinsbühel und Karwendelbahn-Galerie vom Antlitz Kematens nicht wegzudenken - Im folgenden dazu der geschichtliche Hintergrund.

St. Martinsberg (Martinsbühel)

Eigentümer Erzstift St. Peter, Salzburg

Fährt man von Innsbruck ins Oberinntal, so rückt, bevor man nach Zirl kommt, am nördlichen Innufer ein niedriger von schütterem Wald umgebener Hügel ins Blickfeld. Es ist der geschichtsträchtige Martinsbühel, auf dem noch die eindrucksvollen Reste der einstigen Burg St.Martinsberg stehen. Unter den Häusern auf dem Hügel fällt vor allem ein mächtiges Gebäude mit hohem Krüppelwalmdach auf. Die grauen noch aus der germanischen Bauepoche stammenden Mauern sind aus regelmäßig gelagerten, teils gewaltigen Steinen gefügt. Es ist der noch weitgehen unversehrt erhalten gebliebene Pallas, das Hauptwohngebäude der Burganlage.

Der schlichte Wohnturm, den ein schwarzer Doppeladler auf gelbem Grund schmückt, wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Bemerkenswert sind die Spuren romanischer Fenster- und Türöffnungen, besonders gut sichtbar ist das vermauerte Rundbogenportal im zweiten Geschoß der Südwand.

Das doppelt gekehlte gotische Spitzbogenportal im Erdgeschoß der Westseite stammt aus dem Jahre 1585, als Erzherzog Sigmund St.Martinsberg komfortabel umbauen ließ. St.Martinsberg war Sitz der gleichnahmigen Tiroler Ministerialen, die 1290 erstmals genannt werden.

Foto: Martinsbühel
Martinsbühel
Foto: Der Rundbogen
Der Rundbogen
Foto: Das Wappen
Das Wappen

Das Kirchlein zu Ehren des hl. Martin

Uralt ist auch das Martinskirchlein, unter dem man 1964 eine frühchristliche Kirche mit halbkreisförmiger Priesterbank entdeckte. Wahrscheinlich residierte hier im 6.Jh. während seiner Flucht vor den hereinbrechenden Horden der Völkerwanderungszüge für kurze Zeit der rätische Bischof Martinus - Marcianus, der dann über den Brenner nach Süden weiterzog. Die mehrmals im Laufe der Jahrhunderte umgebaute Kirche, die einst auch als Burgkapelle diente, ist heute ein schlichter Saalbau mit hohem Satteldach und einem Dachreiter mit barockem Zwiebelhelm. Schön ist das mit Wappensteinen geschmückte Netzrippengewölbe mit spätgotischem Chor aus dem Anfang des 16.Jh.s. Es wird dem berühmten Nikolaus Thüring, dem "obristen Werkmeister" Kaiser Maximilians und Erbauer des Goldenen Dachls in Innsbruck, zugeschrieben. Das Kirchlein birgt eine spätgotische Madonna aus dem Ende des 15.Jh.s, ein ergreifendes Kruzifix aus dem 17.Jh., eine Kanzel aus dem Ende des 18.Jh. sowie spärliche Reste einer romanischen Wandmalerei aus der Zeit um 1200. Dargestellt sind das himmlische Jerusalem sowie ein heiliger Bischof.

Die Martinswand

Foto: Martinswand
Martinswand

So war es vor allem das Jagderlebnis Kaiser Maximilians das die Martinswand nicht nur als weithin sichtbares Naturdenkmal, sondern auch als historische Stätte bekannt machte.

Über 500m steigt die geographisch zum Hechenberg gehörende Martinswand, die ihren Namen vom darunter liegenden Kirchlein erhielt, nahezu senkrecht zu einer Meereshöhe von fast 1115m empor. Wohl nirgends im Land fällt eine Felswand so jäh und steil zu einer wichtigen Verkehrsstraße ab. Schon immer waren Menschen von ihr zutiefst beeindruckt, und so lautet ein jahrhundertealter Spruch:

     "Der Hoger im Gschnitz, der Waldraster Spitz
      und die Martinswand sein die höchsten im Land"
     (Anm: Hoger = Habicht)

Schon in die ältesten Karten von Tirol ist die Martinswand eingezeichnet worden, erstmals 1604 durch die Kartographen Warmund und Matthias Burglechner. Sie ist eine wichtige und markante landschaftliche Grenze, denn von Süden her drängt die Melach aus dem Sellraintal durch ihren großen Schwemmkegel den Inn nahe an die Wand heran. Schon um die Mitte des 13.Jh.s lag hier die Grenze zwischen dem Ober- und Unterinntal. Auch heute noch gilt die Martinswand als Scheide zwischen den beiden Talabschnitten. Mit dem vorbeifließenden Inn und dem dazwischenliegenden etwa 25 m hohen Martinsbühel bildet sie eine natürliche Sperre auf der linken Talseite. Ähnlich den Engpässen der Sachsenklemme bei Mauls im mittleren Eisacktal und von Pontlatz bei Prutz im obersten Inntal bewährte sich in Kriegszeiten diese Sperre immer wieder, so beispielsweise anläßlich des Überfalls der lutherischen Schmalkalden auf Tirol im Jahre 1546. Der Tiroler Feldhauptmann Franz von Kastelalt "hat den paß bey St.Martins Wandt mit ainem gueten pollwerckh verschanzen umd mit muscatierern bewachen lassen", sodaß die feindlichen Truppen abzogen. Auch im Jahre 1703, als im Zuge des Spanischen Erbfolgekrieges bayrische und französische Truppen plündernd und brandschatzend ins Inntal einfielen ("Boarischer Rummel"), sowie im Tiroler Heldenjahr 1809 war die Talsperre Kriegsschauplatz.

Die Grotte in der Martinswand

Foto: Martinsgrotte ("Martinsloch")
Martinsgrotte ("Martinsloch")

Rund 200 m über der Inntalsohle liegt mitten in der Martinswand die Maximiliansgrotte, die wohl bekannteste Höhle Tirols. Die 26m breite 19m hohe Naturhöhle kann von Zirl auf einem verhältnismäßig bequemen, mit Drahtseilen gesicherten Steig in etwa 1 1/4 Stunden erreicht werden. Wahrscheinlich hat schon Kaiser Maximilian einen Steig zur Höhle anlegen und als Zeichen für seine Rettung dort ein Kreuz anbringen lassen. Als Goethe auf seiner Italien- reise von Seefeld kommend zum erstenmal die ihm von der Sage her bekannte Martinswand sah, schrieb er 1786 etwas ironisch in sein Tagebuch: "Nun rasselt es immer an den Inn hinab, an der Martinswand vorbei, einer steil abgehenden, ungeheueren Kalkwand. Zum Platze, wohin sich Kaiser Maximilian verstiegen haben soll, getraue ich mich wohl ohne Engel hin und her zu kommen, ob es gleich immer ein frevelhaftes Unternehmen wäre". Bis zum Ende der Österreichischen Monarchie wurde in Erinnerung an ihren berühmten Ahnherrn die Martinsgrotte immer wieder von Mitgliedern des Kaiserhauses besucht.

Während des Baues der kühn angelegten Karwendelbahn (1910-1912) erwog der große Tiroler Bahnbaupionier Ing. Josef Riehl, an Stelle des schließlich ausgeführten 1810 m langen Martinswandtunnels an der Außenseite der Wand eine Galerie auszusprengen. Von einer Haltestelle aus sollte dann die Martinswandgrotte durch einen Stiegenschacht zugänglich gemacht werden.

Seit einigen Jahren ist die Martinswand ein häufig besuchtes Klettergelände. Bedingt durch den Umstand, daß die Einstiege von der Bundesstraße aus in wenigen Minuten zu erreichen sind, erklettern fast täglich mehrere Seilschaften die Martinswand. Auf Grund der großen technischen Schwierigkeiten einiger Kletterrouten sowie wegen der Brüchigkeit des Gesteins ereignen sich leider immer wieder oft tödlich endende Kletterunfälle.

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Do, 25. Mai 2017
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