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2. Weltkrieg und Nachkriegszeit

Quelle: Oskar Pielmeier - Kematen in der Geschichte

Südtiroler Siedlung

Südtirolersiedlung mit Park
Südtirolersiedlung mit Park

Es traf sich, daß um diese Zeit, nämlich am 1. 3. 1940, die Augsburger Messerschmitt A.G. von Swarovski die ehemalige Pulverfabrik erwarb. Nach dem Willen des damaligen Landesbauernführers Jörg Worm sollte für den Bau der neuen Fabrik möglichst wenig Grund beansprucht werden, da Kematens Landwirtschaft zu den besten des ganzen Reiches zählte, wen nicht als die beste galt, wie mir Fachleute versicherten. Andererseits sollten auch nicht Kemater Bauernsöhne von der Landwirtschaft abgezogen werden.

So bemühte er sich um die auszusiedelnden Sütiroler, für die aber erst Wohnungen geschaffen werden mußten. Nach einem Plan von Gausiedlungsplaner Erdle vom Jänner 1941 sollten im Norden des Dorfes rund 33 Häuser mit rund 150 Wohnungen errichtet werden, was dann auch geschah. Dazu sollte auch eine eigene Schule für die Südtiroler Kinder gebaut werden, wozu es allerdings nicht kam. Die Siedlung wurde in Form eines gleichschenkligen Dreieckes angelegt, in dessen Grundlinie Geschäfte und ein Cafe Aufnahme fanden. Die Schenkel dieses Dreiecks bildeten Reihenhäuser, vor die kleine Vorgärten gelegt wurden. Hinter jedem gab es dazu noch einen Hausgarten. Die Mitte füllte, allerdings erst seit 1947, ein Park aus, der heute erneuerungsbedürftigt wäre (Anm.: Der Park wurde in den 90er Jahren erneuert).

Nachzutragen ist, daß zum Bau auch an die hundert französische Kriegsgefangene herangezogen wurden. Für die kriegsgefangenen Arbeiter wurden auf dem rechten Ufer der Melach Baracken errichtet, für die Angestellten auf dem linken, also auf Unterperfer Gebiet, das "Steingebäude", wie es allgemein heißt. Nach dem Krieg fanden hier volksdeutsche Flüchtlinge ihr Unterkommen, besonders alte Einzelstehende, heute ist es ein Landeswohnheim, wo mit anderen deren Rest untergebracht ist.

Messerschmittwerk und 'Steingebäude'

Ehemaliges Messerschmitt-Werk
Das ehemalige Messerschmitt-Werk

Kriegsgefangene, 181 Russen, wurden auch zum Bau des Messerschmittwerkes herangezogen. Als es am 5. 9. 1943 den ersten Fliegeralarm gab, fürchtete man auch für das Werk. Man überlegte, es in den nahegelegenen Berg zu verlegen. Architekt Ulrich Steidl erstellte dafür einen ersten Plan. In Angriff genommen wurde dann einer von Achhammer, der das Datum vom 28. 6. 44 trug. Er sah einen quadratischen Stollenbau mit einer Seitenlänge von 140m vor. Sechs große Hallen sollte er enthalten, dazu alle möglichen Nebenräume, drei Eingänge sollten hineinführen. Wie im Werk selbst, wurden auch hier hauptsächlich Kriegsgefangene und verschleppte Personen beschäftigt. Für die Arbeit wurden neben Kriminellen und politischen Verdächtigen auch Künstler herangezogen. Die Innsbrucke Tänzerin Irene Schücker überlebte das nicht. Ein Lastauto drückte sie im Werk an einen Pfeiler, meldete das Sterbebuch. Fertig wurde der Stollen nicht, der Krieg ging seinem Ende zu. In ihn und in einem zweiten, der in den Tanzerrain gegraben wurde, flüchteten dann die Kemater samt ihrem Vieh, als es soweit war.

Kriegsende

Am 2. 5. 45 beschoß amerikanische Artillerie Unterperfuß und Kematen, wobei sie es besonders auf die Flak-Stellung auf dem Tanzerrain abgesehen hatte. Merkwürdig, dass sowohl die Eisenbahnbrücke wie die Straßebrücke unbeschädigt blieben. Für diese war ein deutsches Sprengkommando beim Hörtnagl einquartiert. Es wurde so gut gehalten, daß es auf seine Aufgabe verzichtete und abzog. Am 3. Mai hißte Karl Kößler auf dem Kirchturm die weiße Fahne, und tags darauf zogen die Amerikaner ein. Am 7. Mai befreiten sie die Gefangenen, die sich sofort in Plünderungen ergingen. Um diese auszuschalten, mußte Kematen täglich ein Schlachtrind liefern, und dies durch einige Monate. Am 2. Juli 1945 saßen im Ausländerlager, wie es nun hieß, an die 4000 Personen. Trotz baldigen Heimtransportes waren es im März 1946 noch 1245, im Dezember 978.

Volksdeutsche und ungarische Flüchtlinge

Dann aber, bis 31. Dezember 1947, wurde es wieder aufgefüllt, von 1091 Volksdeutschen aus Jugoslawien und Rumänien. Für ihre Kinder wurde im Lager eine eigene Schule errichtet. Ihrer Lehrer, Valerie Siglhuber, Julius Laas und Jakob Erhart sei an dieser Stelle dankbar gedacht. Viele dieser aus ihrer Heimat Vertriebenen fanden zeitweise hier bei Bauern Arbeit und Brot. Weitaus die meisten zogen von hier weg und ließen sich im Schwäbischen nieder, woher ihre Vorfahren stammten, eine kleinere Zahl auch in Völs. Hier geblieben sind nur wenige. 1959 wurde das Lager von Amts wegen aufgelassen.

In dem beinahe leeren Lager fanden 1956 144 Flüchtlinge aus Ungarn vorübergehend Unterkunft, als man dort den Aufstand gegen die Kommunisten probte.

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Mo, 24. Juli 2017
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